Ein unheimlich schnell rotierender Roman
PAUL STEEGEMANN VERLAG HANNOVER
LEIPZIG / WIEN / ZÜRICH
„. . . Kunst ist, wenn schon nicht ein Vorurteil, so doch immer einePrivatansicht, stolzierte mir dieser bedenkliche Gedanke bedeutenddurch das wirre Straßennetz meines wassersüchtigen Hirns, ehe ich inund durch Sumpf sank und mich übel vergurgelte . . .“
„Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn . . .“
(Nietzsche)
Ein unheimlich schnell rotierender Roman, steht unter demTitel. So mag es, obwohl nichts besonders unterstreichend,bei Tag unter gewissen Blickpunkten erscheinen.
Gut denn: Roman. Doch unter den betäubenden Strahleneiner Mitternachtssonne gelesen, scheint es erst zeitlich, dannüber-, zuletzt unzeithaft, schnittig, Stahl: Epos.
Und endlich unter dem embryonalen, ja komischen Gelichtdes ausgedörrten, beinah gekreuzigten Monds kriecht es vielleichthöchst lächerlich als abgekicherter Schwank hervor.
Gescheit und blöde, erlogen und wahr, schief wie ein lauterlungenblutender Traum, erhaben toll und toll erhaben, ganznärrisch: Fastnachtsspiel. Bei der schreienden Fackel derSelbstverbrennung jedoch, beweihraucht, martervoll ein Tedeum,geschrillt in den katholisch ehrfürchtigen Ausklangeines Gassenhauers: Aschermittwoch.
Aber Aschermittwoch mit Sonnenblumen.
Ich opfere dieses astronomische Punktierbuch, auch Bibel,geschrieben in Prag zu einer Zeit, die molluskenhaft, ichmathematisch wirklich nicht bestimmen kann, es sei dennmittels ultravioletter Geometrie, jenen, von denen Karl Einsteinin Bebuquin sagt: „Zu wenig Leute haben den Mutvollkommenen Blödsinn zu sagen. Häufig wiederholterBlödsinn wird integrierendes Moment unseres Denkens“, darumsage ich einmal wieder einen andren, durchaus neuartigenBlödsinn.
In fünfzig Jahren oder in fünfzig Minuten ist dieser meinguter Blödsinn bestimmt apodiktische Weisheit.
Jörg Schuh stand breit am Baugerüst, lachte zugleich mitdem kreischen Ton des Stichels, kaute sein Brot und wußte,daß er Stukkatör. Scharf war Wind in dieser Vogelperspektive.Mit einem Aug am Gesims ornamentierend,mit andrem aufs Pflaster vierzig Stock tief hinabblinzelndauf sonnbeklexten Asfalt, der grell herauf schrie. Trotzdemstraßerasendes Gemensch sehr winzig unten wimmelte, saher dennoch den großen Busen der Magd Hanne aus demWolkenkratzer gegenüber Nr. 69.
Der Busen, der Bubusen ist prächtig plastisch, als hätte ihnein Stukkatör geformt! entriß sich ekstatischer Satz aus Jörgsbewundernder Kehle mit oberhalb geilen Glotzaugen, dieüberkegelten, Planke schaukelte, Kopf, Füße wankten querdurcheinander, Wind pfiff . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
(kroloscho su krolo su su suuuuu huih — — — iiihh! dieEwigkeit! in die Ewigkeit! Fahr mr Euer Gnadn? grüßtespiegliger Zylinder gelbblauen Man