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Anmerkungen zur Transkription

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Heimat

Erzählungen

von

Anna Schieber

Elftes bis zwanzigstes Tausend

Signet

Verlegt bei Eugen Salzer in Heilbronn

1915


Inhalt

Seite
Der Tunichtgut3
Zum zweitenmal55
Von der stummen Kreatur115
Nichts Besonderes145
Heimat163

[3]

Der Tunichtgut

[5]

Das Glöcklein an der Ladentür der Schmidbergerinbimmelte heut den ganzen Tag.Es hatte ein helles, hohes Stimmlein, und wennes angestoßen wurde, konnte es lange nicht zurRuhe kommen. Es war so geschwätzig, wie dieWeiber, die sich in dem niedrigen Lädchen trafenund einander die Stadtneuigkeiten erzählten. Eswar das Gegenteil von der Schmidbergerin selber,die nicht viel redete um einen Kreuzer, wie dieLeute sagten. Sie sagte auch heute nicht viel,wo es doch wahrhaftig wichtige Dinge zu beredengab. Der Büttel war durchs Städtleingegangen und hatte es ausgeschellt, daß Kriegsei. Krieg, und die Männer und die Bubenmußten fort, ein ganzer Trupp schon heute,die anderen morgen und übermorgen, je nachdem Alter und der Dienstzeit. Krieg gegen diehalbe Welt, wenn man alles glauben durfte,was von Mund zu Mund ging. Der HutmacherHaas kaufte ein halbes Pfund Tabak und sagte,so lang die Schmidbergerin ihn auswog (denner nahm immer vom offenen): »Wer da wiederheimkommt, das weiß kein Mensch. Man kannfroh sein, wenn man Mädle hat und keineBuben, einmal ich bin froh.« Der Hutmacher[6]Haas hatte ein Gallenleiden und darum fastimmer einen üblen Humor und seine drei Töchterhatten es nicht am besten bei ihm.

Aber als er das sagte, da nickte die Kreuzbäurin,die zwei Söhne und einen Schwiegersohnhinauslassen mußte, und neben ihr dieSchreiner Hübnerin ließ einen tiefen Seufzerfahren, denn sie hatte nur einen einzigen Sohn,der in Ulm bei den Pionieren gedient hatte undder heute nacht noch fortmußte. Der alten Schullehrerinaber liefen ganz still zwei große Tränenherunter, als sie an ihre vier Enkel dachte, andenen ihr Herz hing.

Aber in die entstandene kleine und bedrückteStille hinein fuhr die Stimme des jungen PolizeidienersRuckhaber, der sich ein Paar Hosenträgerholen wollte und grad noch die Rede vernommenhatte.

»Ihr Leut, jetzt ist keine Zeit zum Kopfhängen,«sagte er frisch, »und wer Buben hat, soll Gottdanken, daß sie mitkönnen. Zum Vergnüge

...

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