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DIE LETZTEN

• • RAINER MARIA RILKE • •

IM GESPRÄCH • DER LIEBENDE
DIE LETZTEN

BERLIN • AXEL JUNCKER • 1902

DEM PRINZEN UND DER PRINZESSIN
VON SCHÖNAICH-CAROLATH
ZU HASELDORF

IM GESPRÄCH

Man kann gut denken, dass Bilder im Saale sind: tiefe, träumerische inruhigen Rahmen. Ein Giorgione vielleicht oder so ein purpurdunklesPorträt von einem nach Tizian, etwa dem Paris Bordone. Dann weiss man,dass Blumen da sind. Grosse erstaunte Blumen, die den ganzen Tag intiefen, kühlen Bronzeschalen liegen und Düfte singen: müssige Blumen.

Und müssige Menschen. Zwei, drei oder fünf. Immer wieder streckt sichdas Licht aus dem Riesenkamin und beginnt sie zu zählen. Aber es irrtsich immer wieder.

Ganz vorn an der Feuerstelle lehnt die Prinzessin in Weiss; neben demgrossen Samowar, der allen Glanz fangen möchte. Sie ist wie eine wildeFarbenskizze, so hingestrichen im Sturm eines Einfalls oder einer Laune.Mit Schatten und Licht gemalt aus irgend einer genialen Ungeduld heraus.Nur die Lippen sind feiner ausgeführt. Als ob alles andere nur um diesesMundes willen da wäre. Als ob man ein Buch gemacht hätte, um auf einevon hundert Seiten die stille Elegie dieses Lächelns zu schreiben.

Der Herr aus Wien neben ihr neigt sich ein wenig vor in dem breitenGobelinstuhl: „Durchlaucht“ – sagt er und irgend etwas hinterdrein, wasihm selber wertlos scheint. Aber die weichen Worte, die nichts bedeuten,gehen über alle hin, wie eine Wärme, und Jemand sagt dankbar: „Deutschsprechen ist fast wie Schweigen.“

Und dann hat man wieder eine Weile Zeit zu denken, dass Bilder da sind,und welche. Bis Graf Saint-Quentin, der am Kamin steht, fragt: „HabenSie die Madonna gesehen, Helena Pawlowna?“

Die Prinzessin senkt die Stirne.

„Sie werden sie nicht kaufen?“

„Es ist ein gutes Bild“ – sagt der Herr aus Wien und vertieft sich inseine feinen, frauenhaften Hände.

Und ein deutscher Maler, der irgendwo im Dunkel sitzt, fügt hastig an:

„Ja, man könnte es um sich haben. Ich meine in der Wohnstube oder so.“Und nachdem seine Worte ganz verklungen sind, neigt sich Helena Pawlownavor: „Nein“ – sagt sie und dann traurig: „Man müsste ihm einen Altarbauen.“

Ihre Worte tasten tief in den Saal hinein, wie Suchende. Pause. Da machtdie Prinzessin eine kleine bange Bewegung und will ihnen finden helfen.

„Kasimir, soll ich die Madonna kaufen?“

Weither kommt eine volle slavische Stimme, um sich zu wundern.

„Sie fragen mich?“

Pause.

Und Helena Pawlowna bittet um Verzeihung: „Sind Sie nicht Künstler?“

Antwort: „Manchmal, Helena Pawlowna, manchmal –“

Wenn die silberne Uhr jetzt nicht geschlagen hätte, würde der deutscheMaler geantwortet haben: „Aber“ – doch die silberne Uhr rief auf einmaleine ganze Menge, und da gab er es auf. Besonde

...

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